Bad Homburg v. d. Höhe

Der Traum von sprudelndem Gold

Informationen

Ach, wenn sich doch nur der Boden auftun und eine Quelle mit Gold und Dukaten heraussprudeln würde. Das wäre seine Rettung. Seufzend drehte sich Landgraf Friedrich V. Ludwig vom Fenster ab und wandte sich wieder  seinem Schreibtisch zu. Tief verschuldet war er, dabei gab er sich solche Mühe, sein kleines Fürstentum, die Landgrafschaft Hessen-Homburg, wirtschaftlich zu regieren. Aber was sollte er machen? Die Schulden hatte er schon von seinem Vater, Friedrich IV., geerbt. Er schob die verhassten Zahlenreihen, die er hatte studieren wollen, missmutig beiseite. Lieber wollte er an seinem Brief an Klopstock weiterarbeiten, den großen Dichter, der ihn und viele seiner Zeitgenossen so inspirierte. Auch mit Goethe hatte er bei dessen Besuch über diesen neuen Begriff der Empfindsamkeit gesprochen. Und nachdem er den Brief geschrieben hatte, wollte er sich wieder seiner Bibliothek widmen, wenn doch nur die Kassen nicht so leer wären. Plötzlich hörte der Landgraf ein lautes Geschreie und Gerede auf dem Hof des Schlosses. Neugierig wandte er sich an das Fenster und sah zwei Buben, die einem seiner Diener aufgeregt etwas erzählten. Kurz darauf klopfte es bei ihm an der Tür. Ein Kammerdiener trat herein. „Verzeiht die Störung, aber wir haben eine großartige Neuigkeit erfahren. Soeben waren zwei Jungen hier im Schloss und berichteten, sie hätten eine Quelle beim Spielen entdeckt, unten am Kirdorfer Bach!“ Unbändige Freude überkam den Landgrafen: Vielleicht war dies eben die Quelle, auf die er so lange gehofft und für die er stets gebetet hatte: Die Quelle, die Reichtum und Ruhm für sein Fürstentum brachte. Wenige Wochen später hatten die beauftragten Spezialisten bei der Un- tersuchung der Quelle auch römische Funde zu Tage gefördert. Der Landgraf gab den Befehl, die Quelle zum Brunnen einzufassen, der nun Salzbrunnen genannt wurde. Das erfrischende, leicht säuerlich schmeckende Wasser wurde nun in Krüge geschenkt und in alle Teile des Landes geschickt. Vielleicht würden die Gäste strömen, sein Homburg in eine reiche und berühmte Kurstadt verwandeln? Vielleicht würden noch mehr Dichter und Komponisten hier an seinen kleinen Hof kommen? Das wäre ein wahrer Triumph!

Den Wandel zur mondänen Kurstadt erlebte der Landgraf Friedrich V. Ludwig allerdings nicht mehr. Das Kurwesen gedieh zunächst in bescheidenen Maßen. Das änderte sich erst, als 1834 die Elisabethenquelle wiederentdeckt wurde, der Justus von Liebig eine ausgezeichnete Bewertung gab. 1841 erlaubten die Homburger Herrscher den französischen Brüdern Blanc, eine Spielbank zu betreiben, und zwar unter der Bedingung, dass die Blancs das Kurwesen ausbauten. Der Salzbrunnen wurde 1835 aber dem 1820 verstorbenen Landgrafen  zu Ehren umbenannt in Ludwigsbrunnen...