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Hessischer Heilbäderverband übt Kritik am „Sofortprogramm Kranken- und Altenpflege“ des Bundesgesundheitsministeriums

Wiesbaden. Wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seinem Ende Mai veröffentlichten Sofortprogramm Kranken- und Altenpflege“ ankündigt, möchte die Koalition aus Union und SPD mit 13.000 zusätzlichen Pflegekräften und mehr finanzieller Unterstützung eine Trendwende in der Alten- und Krankenpflege einleiten. Dieses Programm wird vom Hessischen Heilbäderverband e.V. grundsätzlich begrüßt, allerdings schließt sich der Verband der Kritik des Heilbäderverbandes Niedersachsen an, der bemängelt, dass das Sofortprogramm in seiner jetzigen Form die Rehazentren benachteiligt.

Pflegefachkräfte fehlen nicht nur in Pflegeheimen und Akutkrankenhäusern, sondern auch in den Rehabilitationskliniken. Auch hier ist der Pflegenotstand längst angekommen und

Pflegestellen können nicht zeitgerecht besetzt werden.

Erschwert wird einigen der Rehabilitationskliniken die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte auch durch die unzureichende Vergütung von Rehabilitationsleistungen und der daraus folgenden untertariflichen Vergütung im Gegensatz zu den Akuthäusern.

Wird das „Sofortprogramm Pflege“ umgesetzt, ist zu befürchten, dass die Benachteiligung der Rehakliniken weiter verstärkt wird. Pflegekräfte aus der Reha könnten vermehrt zu den Akutkliniken abwandern. Die Rehakliniken befürchten den Verlust der Konkurrenzfähigkeit.

Dies betont auch Jochen Hahn, Geschäftsführer der Park-Klinik Bad Nauheim, Klinik für Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung: „Grundsätzlich begrüßen wir ein „Sofort-Programm Pflege“, da es auf die Notwendigkeit einer Veränderung in der Pflege reagiert. Dennoch müssen wir dringend darauf hinweisen, dass die Rehabilitation wieder nicht bei einer Förderung berücksichtig wurde. Die Suche nach qualifiziertem Personal entwickelt sich zu einer existentiellen Gefährdung für die Rehabilitation. Bereits heute können Abteilungen nicht mehr belegt werden, weil das benötigte Pflegepersonal fehlt und nicht wiederbesetzt werden kann. Der TVöD stellt die Benchmark bei der Entlohnung von Pflegepersonal dar. Die Finanzierung der Rehabilitationskliniken muss gewährleisten, dass das Personal entsprechend entlohnt wird. Bereits die derzeitige Finanzierung stellt dies in weiten Bereichen nicht sicher. Bei einer weiteren Nichtberücksichtigung von Rehabilitationskliniken bei Fördermaßnahmen, wird die Schere zu den anderen Bereichen im Gesundheitswesen eklatant weiter zunehmen. Wir befürchten, dringend benötigtes qualifiziertes Personal verstärkt an den Akutsektor zu verlieren. Die Rehabilitation, als wichtiger Teil des Gesundheitswesens muss in die Fördermaßnahmen der Pflege eingebunden werden, um weiterhin bestehen und qualitätsorientierte Arbeit erbringen zu können“, so der Geschäftsführer.

Das „Sofortprogramm Pflege“ sollte dementsprechend alle Einrichtungen, in denen Pflegekräfte benötigt werden, berücksichtigen, unterstreicht Almut Boller, Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes e.V. Zu diesen gehörten selbstverständlich auch die Rehabilitationskliniken. Zudem müsse die Vergütung der Reha-Leistungen an die hohe Qualität in den Einrichtungen angepasst und somit erhöht werden.