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Hessischer Heilbäderverband kritisiert Aussagen des Landesrechnungshofes

Wiesbaden. Der Hessische Rechnungshof hat am 28. November im Rahmen einer Landespressekonferenz im Hessischen Landtag seinen Kommunalbericht 2017 vorgestellt. In einer „vergleichenden Prüfung“ hatte er sich auch mit den Heilbädern und Kurorten in Hessen befasst und innerhalb eines Jahres 15 Kommunen geprüft. Ein Ergebnis der Prüfung ist, dass die Übernachtung eines Kurgastes die Kommunen zwischen 3,45 und 95,50 Euro kostet. Davon leitet der Landesrechnungshof die Frage ab, ob die Städte und Gemeinden sich „die Kur“ wirklich auf Dauer leisten können und ob „die Kur“ die Kommunen krank mache? Die Heilbäder und Kurorte in Hessen sind jedoch überzeugt: „Die Kur macht uns stark“. Mit rund zehn Millionen Übernachtungen jährlich, 2,2 Milliarden Euro Bruttoumsatz und 40.000 Arbeitsplätzen, sind die Heilbäder und Kurorte in Hessen ein herausragender und vor allem stabiler Wirtschaftsfaktor.

„Es gehört für uns zur Selbstverständlichkeit, dass die Steuergelder, die in die Kur fließen, überprüft werden“, erklärt der Vorsitzende des Hessischen Heilbäderverbandes und Bürgermeister der Stadt Bad Wildungen Volker Zimmermann. Gleichsam müsse aber die Frage gestattet sein, ob Form, Inhalt und Fragestellungen der Prüfung tatsächlich zielgerichtet seien, denn während die ermittelten Daten sich auf betriebswirtschaftliche Aspekte beziehen, blieben volkswirtschaftliche Punkte vollkommen unberücksichtigt. Gerade die seien aber von hoher Bedeutung, denn wie kein anderer Wirtschaftszweig wirke sich Kur und Tourismus auf andere Branchen aus und vervielfachen die positiven Effekte. Die jährlich steigenden Übernachtungs- und Gästezahlen in den 30 Heilbädern und Kurorten sprächen für sich und sicherten das Grundeinkommen vieler hier ansässiger kleiner Geschäfte und Betriebe.

Versorgungszentren in ländlichen Regionen und eine starke Gemeinschaft

Gerade in den ländlich geprägten Regionen Nordhessens und dem Odenwald sind die Gesundheitszentren zudem Bezugspunkte und regionale Versorgungszentren. Sie stellen die ärztliche Betreuung sicher und sorgen dafür, dass der Fachkräftemangel zumindest abgemildert wird. Davon profitieren auch die Landkreise in Hessen.

Die Heilbäder und Kurorte in Hessen haben sich bewusst dafür entschieden, in einer Gemeinschaft zu agieren. Denn während sie sich in ihren hessischen Regionen ausgleichen und ihre jeweiligen Stärken herausbilden, stehen sie in Konkurrenz besonders zu den Heilbädern in Bayern und Baden-Württemberg. Die Kur macht stark, auch dann wenn es besondere Herausforderungen zu bestehen gilt: Allein die Sicherung und Pflege der natürlichen Heilmittel, wie der zahlreichen Heilquellen, kostet viel Geld. Die Unterhaltung der Kurparke, die der Hessische Rechnungshof 2009 als identitätsstiftend und damit unverzichtbar bezeichnete, ist ebenso aufwendig wie die Erhaltung der gesamten Infrastruktur, die Gästen und in einem besonderen Maße Bürgern zu Gute kommt.

Entscheidung über Prädikatisierung liegt nicht beim Hessischen Heilbäderverband

„Der Hessische Heilbäderverband ist ein eingetragener Verein“, bestätigt die Geschäftsführerin des Verbandes in Wiesbaden, Almut Boller und ergänzt: „Mitglieder sind jedoch einzig die Kommunen, die auch den Bad- oder Kurortstatus innehaben. Auch wenn der Hessische Heilbäderverband bei der Prädikatisierung eines Ortes mitwirkt, berät und an den Ortsbesichtigungen teilnimmt, entscheidet er – entgegen der Feststellung des Hessischen Rechnungshofes – gerade nicht darüber, ob die Kommune ein Prädikat erhält.“ Für die Prädikatisierung ist der Fachausschuss für Kurorte sowie Erholungs- und Tourismusorte beim Regierungspräsidium Kassel zuständig. Er stützt sich auf die „Begriffsbestimmungen“, die sämtliche Kriterien für die Voraussetzungen beschreiben und die mit den zuständigen Behörden der Bundesländer abgestimmt werden. Herausgeben werden sie durch den Deutschen Heilbäderverband und den Deutschen Tourismusverband. Die Entscheidungshoheit, ob ein Ort das Prädikat „Heilbad“ oder „Kurort“ erhält, liegt in Hessen stets beim zuständigen Minister, aktuell beim Hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir.

Hessischer Heilbäderverband für offenen Austausch

Dass die Heilbäder und Kurorte durchaus für Anregungen offen sind, zeigen die umfassenden Aktivitäten des Hessischen Heilbäderverbandes, der sich mit seinen Partnern aus Kur und Tourismus im Land Hessen und auf der bundesdeutschen Ebene intensiv an Entwicklungskonzepten beteiligt. Darüber hinaus hat er selbst die Grundlagen für ein umfassendes Zukunfts- und Markenkonzept „Die Kur“ für die Heilbäder und Kurorte gelegt. Deshalb ist der Hessische Heilbäderverband auch bereit, die Frage, ob eine Kommune, die ihr Prädikat abgibt, weiterhin den Namenszusatz „Bad“ tragen darf, offen zu diskutieren. Für die Heilbäder und Kurorte in Hessen gilt, nur wo Bad darauf steht, ist auch Bad drin.