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Barrierefreiheit beginnt mit einem aufmerksamen Blick

Barrierefreiheit ist mehr als eine Rampe für Rollstuhlfahrer. Welche Chancen in einem ausgezeichneten Service liegen, erfuhren Kurmanager und Tourismusexperten bei einem Fachseminar im Haus der Begegnung in Königstein mit Selbstversuch.

Service wird in Kurorten traditionell großgeschrieben. Schließlich sollen sich Kurgäste und Touristen wohlfühlen, den Ort weiterempfehlen und gerne wiederkommen.

Besonderes Augenmerk müssen Kurverwaltungen und Tourismusmanager dabei auf Menschen mit Behinderungen legen; das Thema „barrierefreier Tourismus" gewinnt immer mehr an Bedeutung – nicht nur aufgrund des steigenden Alterungsquotienten unserer Gesellschaft.

In Königstein und anderen hessischen Kurorten will man sich auf diese Entwicklung einstellen. Zu einem Fachseminar zum Thema barrierefreies Reisen lud jetzt der Hessische Heilbäderverband ins Haus der Begegnung ein.

Mehr Handläufe im Museum, surrende Fußgängerampeln, ein Akustikverstärker in der Touristeninformation – es gibt viele Möglichkeiten, Menschen mit Behinderungen das Reisen zu erleichtern. „Barrierefreiheit bedeutet, dass jeder Mensch das touristische Angebot nutzen kann, unabhängig von seiner körperlichen oder geistigen Beschaffenheit", bringt es Gisela Moser auf den Punkt. Die Fachreferentin für barrierefreien Tourismus erklärt den Vertretern hessischer Heilbäder, wie wichtig der Serviceaspekt dabei ist.

Bauliche Maßnahmen seien natürlich sehr gut, aber wo es an Hilfsmitteln mangele, „kann man mit einem aufmerksamen Blick und gutem Service viel ausgleichen."

Um das zu erreichen, möchte sie ihre Zuhörer für den Alltag der behinderten Menschen sensibilisieren. Neben einem theoretischen Teil umfassen ihre Seminare daher auch einen Selbsttest: Während zwei Tourismusmanager versuchen, das Haus der Begegnung im Rollstuhl zu durchqueren, tastet sich eine Teilnehmerin mit Spezialbrille und Blindenstock vorsichtig über das Außengelände.

Schnell wird klar, wo Hindernisse oder gar Grenzen bestehen. „Vieles erscheint behindertengerecht, ist es aber gar nicht", stellt Ronald Wolf, Mitarbeiter der Königsteiner Touristeninformation, fest. Gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelt er Ideen, was man besser machen kann, damit Kurgäste und Touristen künftig noch lieber in die Kurstadt kommen.

Für die Tourismusorte liegt im barrierefreien Reisen ein erhebliches Marktpotenzial. „Von Barrierefreiheit profitieren nicht nur die behinderten Menschen", erklärt Gisela Moser. Für zehn Prozent der Bevölkerung sei es unentbehrlich, für dreißig bis vierzig Prozent hilfreich „und für einhundert Prozent ist es deutlich komfortabel". Von Verbesserungen der Infrastruktur und des Service mit Blick auf die besonderen Anforderungen behinderter Menschen haben letztlich alle etwas.

Quelle: Taunus Zeitung (kig) vom 17.10.2015