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Grenzenloses Urlaubsgefühl: Barrierefreies Reisen in Hessen

Barrierefreiheit wird auch im Tourismus immer wichtiger. In Deutschland ist in den letzten Jahren die Nachfrage nach barrierefreien Reisen kontinuierlich gestiegen. Mit Hilfe des bundesweiten Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“ können Menschen mit Handicap, Senioren und Familien mit kleinen Kindern bei ihrer Reisevorbereitung deutschlandweit auf einheitlich geprüfte Informationen zugreifen. Zu den zertifizierten Angeboten gehören unter anderem die Tourist Information in Wiesbaden und das Drei-Sterne-Hotel Deutscher Hof in Kassel, welches teilweise barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderungen ist. Aber auch ohne formale Zertifizierung reagieren die Anbieter auf die Entwicklung und bieten bereits eine ganze Reihe von touristischen Angeboten für behinderte beziehungsweise mobilitätseingeschränkte Menschen.

Erster Gastronomiebetrieb als barrierefrei zertifiziert

Mit dem Restaurant „Zum Nashorn“ im Augustinum Kassel am Fuße des Habichtswaldes wurde im August 2016 der erste reine Gastronomiebetrieb als barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung zertifiziert. Im Restaurant stehen 14 unterfahrbare Tische zur Verfügung und in den Sanitärbereichen sind hochklappbare Haltegriffe angebracht. Auch Assistenzhunde dürfen mitgebracht werden – in Restaurants keine Selbstverständlichkeit. Das Restaurant zählt zur Kooperation „Hessen à la carte“ – Deutschlands älteste regionale Qualitätsgemeinschaft. Gäste werden hier mit regionalen und saisonalen Köstlichkeiten sowie innovativen Gerichten verwöhnt.

Barrierefrei: Wissens- und Erlebniswelt „wortreich“

Das „wortreich“ im nordhessischen Bad Hersfeld ist komplett barrierefrei. So können auch Menschen mit Gehbehinderungen und Rollstuhlfahrer die rund 90 Mitmach-Stationen der Wissens- und Erlebniswelt für Sprache und Kommunikation erkunden: Mit Buchstaben Basketball spielen, mit den Augen schreiben, einen Ball nur mit Kraft Ihrer Gedanken bewegen und vieles mehr. Die drei Etagen des „wortreich“ sind mit einem Lift verbunden und zwischen Kapitel vier und fünf befindet sich ein Treppenlift zur Überwindung von ein paar wenigen Stufen. Für ausreichend Sitzgelegenheiten in der Ausstellung ist gesorgt. Im Erdgeschoss befindet sich außerdem unmittelbar am Eingang eine behindertengerechte Toilette.

Barrierefrei unterwegs in und rund um Bad Sooden-Allendorf

Im nordhessischen Bad Sooden-Allendorf sind viele Gebäude, Verkehrsmittel und Freizeitangebote barrierefrei. Die Stadt hat extra einen Stadtplan aufgelegt, der über alle barrierefreien Angebote informiert. Kurgäste und Touristen sehen so auf einen Blick, wo sie sich ohne Hindernisse bewegen können. Außerhalb der Kurstadt hat der Naturpark Meissner-Kaufunger Wald den barrierefreien Wanderweg Rebbes eingerichtet. Auf dem 3,8 Kilometer langen Rundweg gibt es viele Ruhebänke und nur geringe Steigungen, weshalb der Weg auch für Rollstuhlfahrer (mit Begleitperson) und Familien mit Kinderwagen geeignet ist.

Willingen: Ohne Hindernisse hoch hinaus

Das nordhessische Willingen ist als wichtiger Standort für den Wintersport bekannt und hat vor allem durch das jährlich stattfindende Weltcup-Skispringen an der Mühlenkopfschanze internationale Bekanntheit erlangt. Die Berge in der Umgebung sind durchschnittlich 800 Meter hoch, der höchste Aussichtspunkt liegt in 875 Metern Höhe. Auch für Rollstuhlfahrer ist der Besuch von Willingens Hausberg und seinem Aussichtsturm kein Problem: Denn die Zugänge zur Bergbahn und zum Turm sind allesamt barrierefrei. Rampen und Wege, die Kabinen der Seilbahn und der Aufzug zur Aussichtsplattform des Hochheideturms sowie die Zugänge zu den Gastronomiebetrieben an der Berg- und Talstation sind allesamt barrierefrei. Von der Aussichtsplattform des Hochheideturms auf dem Ettelsberg sind an klaren Tagen spektakuläre Fernblicke möglich. Auch der Speichersee, der sich ganz in der Nähe des Hochheideturms befindet, kann mit dem Rollstuhl umfahren werden, hier wird allerdings Begleitung empfohlen.

Entdeckungstour für Blinde im Naturpark Habichtswald

Eine Entdeckungstour speziell für Sehbehinderte und Blinde hat der Naturpark Habichtswald im Programm. Die etwa dreistündige Tour führt durch den Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Gemeinsam mit einer Naturparkführerin geht es darum, die Natur mit fast allen Sinnen zu entdecken – Gehölze und Rinden mit den Fingern erforschen, Blüten- und Pflanzenduft wahrnehmen und die Herkunft von Geräuschen der Natur ergründen: So soll die Führung zum Naturerlebnis werden. Außerdem erfahren die Teilnehmer vieles über den Bergpark und seine Entstehung. Eine Begleitperson oder der sichere Umgang mit dem Blindenstock sind empfehlenswert. Im Naturpark Habichtswald gibt es auch eine Naturparkführerin, die in Gebärdensprache ausgebildet ist und ihre Führungen für hörgeschädigte Teilnehmer anbietet. Für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte ist im Naturpark das Wandern mit der Joëlette möglich. Der einrädrige Geländerollstuhl – eine Kombination aus einer Schubkarre und einer Sänfte – ermöglicht mit Hilfe von drei Begleitern eine Wanderung in unwegsamem Gelände.

Bad Nauheim für Blinde und Sehbehinderte

Erstmals bietet die hessische Kurstadt Bad Nauheim eine Führung für Blinde und Sehbehinderte an. Am 29. Oktober 2016 findet um 14 Uhr eine öffentliche Führung statt. Dabei werden die Sinne Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen angesprochen. Während der Führung können die Besucher das (Sole)Wasser in vielfältiger Weise erleben oder am großen Sprudel des Jugendstilbades die Wärme des Wassers erfühlen sowie den hessischen Löwen, die Mosaiksteinchen und Fliesen in den Badehäusern ertasten. Treffpunkt ist an der Tourist-Information. Sonderführungen für Gruppen sind auf Anfrage ebenfalls zu buchen.

 Weitere Informationen und Tipps zum barrierefreien Urlaub in Hessen finden Interessierte hier…