Rheuma

Rheuma - Hessische Rheumazentren durchbrechen Teufelskreis
Es beginnt meist an den kleinen Gelenken. Schwellungen und Schmerzen an den Fingern oder Füßen machen den Betroffenen jede Bewegung zur Qual. Rheuma, das schon von den Griechen als ziehender, reißender Schmerz bezeichnete Krankheitsbild, nimmt heute auf der Liste der Volkskrankheiten einen vorderen Platz ein. Fast jeder Mensch leidet im Laufe seines Lebens an einer der über 400 verschiedenen, schmerzhaften Formen der Erkrankungen des Bewegungsapparates. Kommen Entzündungen hinzu, wird das Leiden zum Schicksal.

Jahrelange Odyssee der Betroffenen
Unsichere Diagnosen und falsche Behandlungen begleiten die meist jungen oder mittelalten Patienten auf einer oft jahrelangen Odyssee von einem Arzt zum andern. Zerstörte Gelenke, zerrissene Sehnen und verkümmerte Muskeln führen im schlimmsten Fall zu einem Leben im Rollstuhl. Patienten mit chronischer Polyarthritis, Morbus Bechterew oder einer Collagenose sind auf Dauer internistisch krank. Der oft begleitende Befall von Herz, Nieren, Lunge oder Darm kann lebensbedrohlich sein.

Die Ursachen dieser häufigsten Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind noch weitgehend unbekannt. Infektionen, genetische Veranlagung und psychosomatische Faktoren spielen als Auslöser eine Rolle. Hauptsächlich aber haben Patienten mit chronischer Polyarthritis sich selbst zum Feind. Ihr gestörtes Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper und baut das betroffene Bindegewebe immer weiter ab. Die Aggression der körpereigenen Zellen gegen sich selbst führt zu schweren Entzündungen.

Neue Hoffnung durch ganzheitliches Therapiekonzept
Mit einer Kombination aus Frühdiagnostik, Langzeittherapie und der Einbindung örtlicher Heilmittel geben führende Rheumatologen der hessischen Fachkliniken in Schlangenbad und Wiesbaden ihren Patienten neue Hoffnung. „Wir können diese schicksalhafte Erkrankung voll in den Griff bekommen,“ verspricht Professor Dr. med. G. Julia Faust-Tinnefeldt, ärztliche Direktorin und Chefärztin des Zentrums für Rheumatologie des Staatsbades Schlangenbad. Der Gewinn von Lebensqualität und das Bewahren vor Arbeitslosigkeit und Erwerbsunfähigkeit sind Intention des ganzheitlichen Therapiekonzeptes der modellhaften Klinik, die sowohl akut Kranke als auch Rehapatienten versorgen kann.

Schmerzfreiheit im Vordergrund
Die Beruhigung der Grundkrankheit und die Schmerzfreiheit der Patienten steht im Vordergrund. Mit einer individuellen medikamentösen Basistherapie gelingt es dem Schlangenbader Ärzteteam, den Teufelskreis zu durchbrechen und die immunologische Entgleisung entscheidend zu blockieren. Die Anzahl der akuten Schübe wird vermindert und die beschwerdefreien Intervalle werden immer größer. Gezielte Krankengymnastik und die Einbeziehung der örtlichen Heilmittel, wie zum Beispiel kaltes Moor, bilden die zweite Säule des Schlangenbader Behandlungskonzeptes. Schließlich kann, so Professor Dr. med. Faust-Tinnefeldt, die Funktion der Gelenke, Sehnen und des Muskelapparates durch dosierte Behandlung zurückgewonnen werden. Die intensive psychologische Betreuung der an Leib und Seele erkrankten Patienten gehört als dritter Schwerpunkt zum Therapieplan. Fünf Psychologen bieten neben Einzelbehandlungen auch Hilfen zur Schmerz- und Stressbewältigung an. Das Erlernen von Entspannungstechniken und das Arbeiten mit verschiedenen Kunstformen ermöglicht den meist jungen Patienten den nötigen seelischen Ausgleich.

Kontinuierliche Therapie als Ziel
Großen Wert legt die Schlangenbader Rheumatologin auf eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient. So soll die Zusammenarbeit mit über 700 niedergelassenen Kollegen eine kontinuierliche Therapie ermöglichen. „In kleinen Fachabteilungen von Krankenhäusern oder in den in deutschen Universitäten absolut unterentwickelten rheumatologischen Abteilungen ist ein solches Kombinationskonzept in der Therapie sehr schwer zu erreichen“, erläutert die Chefärztin das Schlangenbader Modell. Der Erfolg gibt ihr recht. Eine Studie mit tausend Patienten zeigte, dass die hier behandelten Rheumakranken weniger am Arbeitsplatz fehlten als Gesunde, „die sich ihre Grippe nehmen“.

Das Zurückgewinnen von Lebensqualität und eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess hat auch für Dr. med. Wolfgang W. Bolten, Chefarzt der Wiesbadener Rheumakliniken, Priorität. Den Schmerz zu lindern und Funktionsstörungen rückgängig zu machen stehen deshalb auch hier im Mittelpunkt der Therapie. „Wir wollen unsere Patienten in einen für das Krankheitsbild optimalen Zustand versetzen“, erklärt Dr. Bolten den kombinierten Einsatz medikamentöser und physikalischer Therapie. Mit dosierter Krankengymnastik und Kältebehandlungen können die Schlangenbader und Wiesbadener Rheumaspezialisten die Schubdauer und -frequenz entscheidend beeinflussen. Ein Gymnastikprogramm für zuhause soll helfen, die wieder gewonnene Beweglichkeit zu bewahren.