Osteoporose

Mit einer Kompaktkur die Knochen stärken
Hans Meister freute sich auf den Vorruhestand. Mit 58 Jahren fühlte er sich jung genug, endlich die Welt zu entdecken. Auch sein großer Garten brauchte Pflege. Wenn da nur nicht diese quälenden Rückenschmerzen wären... Mit Spritzen half ihm der Hausarzt nur zu oft über das Schlimmste hinweg. Erst als seiner Frau auffiel, dass er kleiner geworden war, sorgte die Messung der Knochendichte beim Facharzt für Klarheit: Hans Meisters Wirbel wurden langsam porös.

Auch das „starke Geschlecht“ ist betroffen Osteoporose,

bis vor kurzem noch als eine wenig zu beeinflussende Erkrankung alter Frauen angesehen, geht viele an. Mit rund acht Millionen Patienten in Deutschland ist sie die bedeutendste Knochenerkrankung des erwachsenen Menschen. Auch das starke Geschlecht ist durch die Veränderung des Lebensstils immer häufiger vom kontinuierlichen Knochendichteverlust betroffen: Über 800.000 Männer sind inzwischen schon erkrankt. Osteoporose kommt langsam, schleichend und oft unbemerkt. Aber sie verändert das ganze Leben. Ihre Symptome sind leicht mit denen anderer Krankheitsbilder zu verwechseln. Rückenschmerzen, die bei Belastung zunehmen, sind nur ein erster Hinweis. Wenn beim Heben einer Einkaufstasche oder eines Aktenkoffers ein Wirbel in sich zusammensackt, ist der Schaden nicht mehr zu reparieren. Das Leben mit dem „Witwenbuckel“ wird zur Gefahr. Jeder unbedachte Schritt kann zum Unfall und damit zum Knochenbruch führen. Zu wenig Bewegung, calciumarme Ernährung, der übermäßige Genuss von Nikotin und Alkohol und bei Frauen in den Wechseljahren der Mangel an Östrogenen bereiten dem Knochenschwund den Weg – häufiger als es der Altersstruktur entsprechend der Fall sein dürfte.

Lebensqualität verbessern

Mit einer „konzertierten Aktion“ gegen den Schmerz wollen die Experten des Fitmachers Hessen die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Die Stabilisierung des Gesundheitszustandes und die Veränderung des Lebensstils sind Kernpunkte der Kompaktkuren. Ärzte, Ernährungsberater, Krankengymnasten, Psychologen, Kunst- und Sporttherapeuten arbeiten Hand in Hand. Mit einem individuell abgestimmten, ganzheitlichen Konzept macht Bad König seinen Patienten wieder neuen Mut. „Wir können die Osteoporose zwar nicht heilen“, erklärt Dr. med. Irmgard Kienow-Rieg, „aber wir können das Fortschreiten der Krankheit stoppen und die Festigkeit des Knochengewebes in gewissem Grad wieder erhöhen.“ Schulung, Aufklärung und Motivation sind neben den herkömmlichen balneo-physikalischen Therapien der Schlüssel zum Erfolg. In kleinen Gruppen bis zu 15 Personen üben die Patienten in 28 Tagen ihren Neubeginn. Der schonende Aufbau der Muskulatur ist vorrangiges Ziel: Mit gezielten Bewegungsübungen in der Schwerelosigkeit des 32 Grad warmen Thermalwassers und Krankengymnastik können Verspannungen gelöst und Schmerzen gelindert werden. Leichtes Fitnesstraining auf Waldboden gibt schlaffen Muskeln neue Kraft. In der Rückenschule wird richtiges Gehen, Stehen, Tragen oder Sitzen wieder neu erlernt. Durch Training der Koordination und Schulung des Gleichgewichtssinns steigern sich Beweglichkeit und Reaktionsvermögen erheblich. Das Risiko eines Sturzes nimmt ab. Sanfte Massagen, Elektrotherapien und medizinische Wannenbäder ergänzen das Gesundheitsprogramm. Gesprächsseminare schaffen Klarheit über Ursachen, Therapiemöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen.
Selbstverständlich gehört auch die Umstellung der Ernährung auf calcium- und Vitamin D-reiche Kost zum Therapieplan. Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und autogenes Training helfen, den Schmerz zu bewältigen. Atem- und Kunsttherapie und die Bewegungsmeditation Qi Gong können den Stress abbauen und sorgen wieder für die nötige innere Ruhe. Aber nicht nur Ärzte und Therapeuten haben sich in Bad König ganz auf die Bedürfnisse ihrer Gäste eingestellt. Auch die Gastronomie und die Beherbergungsbetriebe unterwerfen sich einem Qualitätszirkel und bieten unter anderem eine ausgewogene, dem Krankheitsbild angepasste diätische Kost.

Auch Vorsorge ist angesagt

Während sich Bad König auf die Behandlung des Knochenschwundes in fortgeschrittenem Stadium spezialisiert hat, versteht sich das Kompaktkur-Angebot aus Willingen vorrangig als Präventivmaßnahme. Da der Aufbau der Knochensubstanz mit ihrem Abbau schon ab dem 40. Lebensjahr nicht mehr mithalten kann, soll das Willinger Konzept der Osteoporose auch bei Risikopatienten wie etwa magersüchtigen Frauen so früh wie möglich Einhalt gebieten. Ein Mindestmaß an körperlicher Fitness ist für den umfangreichen Therapieplan Prämisse: „Unsere Patienten sollten schon drei Kilometer an einem Stück wandern können“, erläutert Kurberaterin Silke Krevet die Willinger Philosophie. Ausgebildete Klimatherapeuten führen die Gruppe auf gelenk- und knochenschonenden Wegen durch das reizstarke Hochsauerland. Bei der Terrainwanderung wird auf eine tägliche sanfte Steigerung der körperlichen Anforderung großen Wert gelegt. Gezieltes Muskelaufbautraining bringt neue Kraft. Dehn-, Koordinations- und Gleichgewichtsübungen und das Erlernen von Entspannungstechniken sollen die Regeneration des Körpers fördern. Heliotherapie, Wassergymnastik, Arztvorträge und eine Ernährungsberatung runden das Angebot ab. Im Rahmen der Kompaktkur übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die ärztliche Behandlung und bezahlen 85 Prozent der Heilmittel.