Herz – Kreislauf

Herz-Kreislauf - Kuren bringen Herz-Patienten wieder auf die Beine
Da war er wieder, dieser Druck in der Brust – schon beim Zähneputzen. Doch diesmal zog er nicht in den linken Arm. Diesmal schmerzte der Kiefer. Kalter Schweiß auf der Stirn: Die Angst schnürte dem Filialleiter einer großen Lebensmittelkette fast die Kehle zu. War es das Herz? Peter K. hatte Glück: Der schnelle Ruf nach dem Notarzt rettete ihm das Leben. Sein Infarkt verlief glimpflich.

Herzinfarkt als häufigste Todesursache
So viel Glück wie er haben nicht viele. Immerhin ist der Herzinfarkt heute, noch vor dem Krebs, die häufigste Todesursache. Allein in den alten Bundesländern sterben jedes Jahr über 300.000 Menschen daran. Die „Maschine Mensch“ nutzt sich ab. Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, negativer Stress und falsche Ernährung führen zu „Materialermüdung“. Arterien und Herzkranzgefäße verengen sich. Krankenhäuser werden immer mehr zu Reparaturwerkstätten. „Ersatzteile“ müssen her. Auf eine Million Menschen in Deutschland kommen inzwischen pro Jahr 500 bis 800 Patienten, deren lebensbedrohende Gefäßverengung nur durch das Einsetzen eines Bypasses behoben werden kann.

Unterstützung für das „Leben danach“
Das Leben danach bedarf des Beistandes. Der Umgang mit der Erkrankung will gelernt sein. Wer Fehler in der Lebensführung vermeiden will, muss diese erst erkennen. Partnerschaftliche Therapie und Hilfen auf dem Weg zur Eigenverantwortung sind deshalb Leitgedanken einer Rehabilitationsmaßnahme. Fachkliniken und Sanatorien auf höchstem diagnostischen und medizinischen Niveau betreuen allein in 22 Heilbädern Hessens den Herz- und Gefäßpatienten. Selbstverständlich ist die optimale medikamentöse Versorgung Grundvoraussetzung jeder Behandlung. Doch dann ist Rückbesinnung auf das Wesentliche angesagt. An einer Änderung seiner Ernährungsgewohnheiten und der Reduzierung des Übergewichtes kommt wohl kaum ein Herzpatient vorbei. Nur ein drastischer Wandel des Lebensstils hilft auch zu Hause, das Leben mit dem Infarktrisiko zu meistern. Prof. Dr. med. Horst Zebe, Chefarzt der Klinik Fürstenhof in Bad Wildungen, berichtet von einer erstaunlichen amerikanischen Studie. Bei den Patienten in einer beobachteten Therapiegruppe, die ein Jahr lang extrem fettarm lebten und sich dreimal pro Woche einer psychotherapeutischen Entspannung unterzogen, gingen die Angina pectoris-Anfälle um 40 Prozent zurück. Hohe Cholesterinwerte senkten sich sogar ohne Medikamente, und selbst Verengungen der Gefäße bildeten sich zurück. In der im gleichen Zeitraum nur medikamentös behandelten Kontrollgruppe gab es keine Verbesserung.

„Mehr Gelassenheit“ als Zauberformel
Nicht anordnen – Überzeugen ist angesagt im Rahmen einer Kur. Diäten verlieren schnell ihren Schrecken. So lernen die Patienten, dass eine 1.200-Kalorien-Mahlzeit schmackhaft und sättigend sein kann. Auch für das Kochen zu Hause gibts Rezepte und Tipps. Wieder Spaß am Leben haben, sich auch über Kleinigkeiten freuen, ist beispielsweise das Ziel einer psychologischen Gruppe, die Prof. Zebe „Genusstraining“ nennt. Mehr Gelassenheit sei die Zauberformel, die wir ständig auf vollen Touren laufenden Deutschen von den deutlich gesünderen Südeuropäern lernen können.

Eine Änderung des Lebensstils betrifft auch die Familien. So ist für Dr. Arno Schöneberger, Leiter der KVB-Klinik in Königstein im Taunus, das Einbeziehen des Partners in die Therapie praktische Lebenshilfe für Zuhause. Aber nicht nur richtige Ernährung und Entspannung erhalten im Alltag gesund. Dritte und wichtige Säule in der Herz- und Gefäßtherapie, so Dr. Schöneberger, ist die Bewegung. Wurden Infarktpatienten noch vor wenigen Jahren erst nach drei bis vier Monaten wieder trainiert, sorgen heute Ergometertraining unter EKG-Kontrolle und vorsichtige Gymnastik schon früh nach dem Infarkt für erste Verbesserung der Belastbarkeit. Später stehen Koronar-Sportgruppen, Schwimmen und Bewegung in der Natur auf dem Programm.

Ambulante Badekur für Herz und Kreislauf Kuren sind aber nicht erst nach Infarkt oder Herzoperationen angezeigt. Auch für Patienten mit Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen bringt eine Kur neue Chancen. Wer nicht gleich für vier bis sechs Wochen stationär in eine Klinik möchte, kann hier, im milden Mittelgebirgsklima des waldreichsten Bundeslandes Deutschlands, auch im Rahmen einer ambulanten Badekur etwas für Herz und Kreislauf tun. Das Gesundheitskonzept der Hessischen Heilbäder umfasst neben einer Terrainkur unter ärztlicher Aufsicht, Fitnessprogrammen, Thermalbädern und Kneippanwendungen auch Diätberatung und Raucherentwöhnung.