Arthrose

Arthrose - Eine Kur macht Arthrosepatienten wieder beweglich
Angestellten ordentlichen Respekt ab. Wenn es nun keinen Parkplatz direkt vor dem Kaufhaus gab oder die Rolltreppe nicht funktionierte – was dann? Das Laufen fiel ihr schwer in letzter Zeit. An Wanderungen war kaum noch zu denken. Spazieren gehen ähnelte mit einer Rast an jeder Parkbank eher einem „stop and go“. Die Diagnose des Orthopäden war niederschmetternd: Arthrose der Hüftgelenke. Die düstere Zukunft verhieß Spritzen, Schmerzmittel, Salben und in ein paar Jahren den Einsatz künstlicher Gelenke.
In der Liste der Volkskrankheiten hat die Arthrose heute wohl den ersten Platz erobert. Der volkswirtschaftliche Schaden ist gewaltig. Kaum eine andere Erkrankung führt so häufig zu Arbeitsunfähigkeit und Frühinvalidität. Jedes Jahr müssen rund 150.000 Knie- oder Hüftgelenke durch Prothesen ersetzt werden. Jedes Jahr werden tausende von Patienten in der Gewissheit operiert, dass auch das neue Gelenk nur begrenzt hält.

Hilfe aus der Natur

Verschleiß ist schmerzhaft und endgültig. Fehlbelastungen durch übertriebene sportliche oder berufliche Aktivitäten oder angeborene Fehlstellungen, Stoffwechselstörungen, entzündliche Gelenkerkrankungen und Übergewicht greifen den Knorpel an und führen zu seiner Zerstörung. „Wer ohne ausreichende Vorbereitung Sportarten wie zum Beispiel Skilaufen betreibt, setzt sicher die Basis für Langzeitschäden“, erklärt Dr. Wolfgang Valentin, Oberarzt des Zentrums für Rheumatologie in Schlangenbad. Ein zerstörter Gelenkknorpel lässt sich nicht wieder herstellen. Darüber sind sich die Mediziner einig. Hilfe kommt aus der Natur. Mit Sole und Moor im Rahmen einer klassischen Badekur, der wohl ältesten Therapieform bei Arthroseerkrankungen, gelingt es den Gesundheitsspezialisten in den Heilbädern, die Reduzierung des Knorpels zu stoppen. Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und damit den Gelenkersatz möglicherweise zu vermeiden, ist das Ziel der Gesundheitszentren von allein 27 Kurorten in Hessen. Die Erfolge sprechen für sich.

Schrittweise Besserung
„Ein paar Schritte weiter“ als vorher können die meisten Patienten schon nach einer dreiwöchigen Kur gehen. Viele sind für Monate, manche für Jahre beschwerdefrei. „Die Reiztherapie steht im Mittelpunkt der aktiven Behandlung einer nichtentzündlichen Arthrose“, erläutert Dr. Joachim Martiny, Chefarzt der Kurklinik Badehof in Bad Salzschlirf. Krankengymnastische Übungen unter Entlastung mit einem speziell auf die Patienten abgestimmten Programm sind das erste Standbein der Kurortbehandlung. Schwimmen in warmer Sole, Chiro-Gymnastik oder Übungen im Schlingentisch zum Beispiel verbessern die Beweglichkeit des kranken Gelenkes, tragen zur richtigen Versorgung der verbliebenen Knorpelzellen bei und kräftigen die Muskulatur. „Ebenso wichtig wie die Bewegung ist die Wärmetherapie“, verdeutlicht Dr. Maher Chaker, Chefarzt der Reha-Klinik Naturana in Bad Salzschlirf. Bäder mit Sole oder Moor, Packungen und Bestrahlungen verbessern die Durchblutung und fördern den Abtransport von Schlackenstoffen.

Wer hofft, mit Krankengymnastik und Fangopackungen am Wohnort ähnliche Erfolge zu erzielen, wird enttäuscht. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sind durch diese Reiztherapien nur ohne Zeitdruck über mehrere Wochen, also im Rahmen einer ambulanten oder stationären Kur, zu aktivieren. Dabei kommt nicht nur den ortsgebundenen Heilmitteln eine große Bedeutung zu: Die Behandlung im Kurort ist Teamarbeit. Neben Ärzten und Therapeuten helfen Psychologen und Ergotherapeuten den Patienten, mit ihrer speziellen Einschränkung zu leben. Schmerzbewältigung und autogenes Training, Gruppengespräche und das Vereinfachen von Arbeitsabläufen im Alltag geben aktive Lebenshilfe für zuhause. Selbstverständlich gehören auch Gesundheitsseminare und das Reduzieren des Übergewichtes zum Therapieplan.