„Gekrönte Häupter“ in Schlangenbad

Informationen

18. Jahrhundert:
Durch die Aufzeichnungen des Badearztes Dr. Welcker sind zwischen 1708 und 1724 nicht weniger als 23 Kurfürsten, Herzöge, Fürsten und Reichsgrafen oder deren Gemahlinnen als Kurgäste bekannt. Sie präsentierten ihre Bedeutung unter anderem mit der Anzahl der Pferde, mit denen sie anreisten oder die Zahl der Zimmer, die sie mit ihrem Gefolge belegten. Zu den Hoheiten gehörten:

1712      Landgraf Karl von Hessen-Kassel (56 Pferde),
1712 -19 jährlich  Fürst von Thurn und Taxis (40 Zimmer),
1715 +16  Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach (63 Pferde)
1715     Kurfürst Lothar von Mainz (40 Pferde, 68 Zimmer)
1715      Kurfürst Josef Clemens von Köln (64 Pferde, 59 Zimmer + 3 Küchen)
1720    Fürstbischof Johann Philipp von Würzburg (43 Pferde, 78 Zimmer + 27 Extrabetten)

Der wohl treueste Gast überhaupt war wohl zu Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhundert der Landgraf Friedrich V. zu Hessen-Homburg gewesen. 40 Jahre lang kam er regelmäßig mit der ganzen Familie nach Schlangenbad zur Kur. Nach ihm ist der Landgrafenplatz benannt.

19. Jahrhundert:
Dem Besuch der russischen Zarin Alexandra I. zu Ehren ließ Herzog Adolph 1852 das Schweizer Haus als Teehaus erbauen. Das große Gefolge der Zarin belegte insgesamt 121 Zimmer im Schlangenbader Kurhaus. Während ihres Aufenthaltes machten 33 gekrönte Häupter ihre Aufwartung in Schlangenbad.

1880 verbrachte Königin Isabella von Spanien einige Zeit zur Erholung in Schlangenbad.

1886 und 1888 war „die“ First Lady des 19. Jahrhunderts als Kurgast in Schlangenbad: Kaiserin Augusta, Gemahlin des Kaisers Wilhelm I. Das damals entstandene große Ölportrait von ihr hängt heute noch im oberen Foyer des Parkhotels.

Zum Hochadel gesellte sich im 19. Jahrhundert die Prominenz aus Politik und Kunst. In den Kurlisten erscheinen die Namen der Schriftsteller Gustav Freytag, Ferdinand Lasalle, Heinrich Zschokke und Johanna Schopenhauer, des Komponisten Ambroise Thomas oder des Historikers Georg Gottfried Gervinus.

Im 19. Jahrhundert besuchte der holländische Gesandte im Frankfurter Bundestag, Graf de Grunne mit seiner Gemahlin viele Jahre immer wieder den Kurort. Er spendete die Erinnerungssäule am Aussichtstempel „Musensitz“.

20. Jahrhundert
1912 „versteckte“ sich hier sozusagen der ehemalige Erzherzog Leopold Ferdinand von Österreich mit seiner Frau Wilhelmine für etwa ein halbes Jahr. Nachdem er aus dem Erzhause entlassen worden war, hatte er den bürgerlichen Namen Leopold Wölfling angenommen.
Der Arzt und Dichter Gottfried Benn weilte im Juni 1956 zur Kur in Schlangenbad.


21. Jahrhundert
Filmregisseur und Oskar- Preisträger Volker Schlöndorff verbrachte den Großteil seiner Kindheit in Schlangenbad, ging hier zur Schule und heiratete im Schlangenbader Rathaus 1971 die Schauspielerin und Regisseurin Margarethe von Trotta. Er kommt gerne immer mal wieder nach Schlangenbad, das er als seine Heimat bezeichnet und von dem er selbst einmal vor Ort sagte: „Für mich war damals dieser Ort der Nabel der Welt und ist es auch heute noch“.