Heilquellen, Hotels und klangvolle Namen - Wildungens Aufstieg zum „Weltbad“

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Am Samstag, dem 25. Juni 1904, fand im Park  vor dem „Fürstlichen Badehotel“ das erste große Gartenfest mit Kurorchester, Militärkonzert und nach Eintritt der Dunkelheit Illumination und Feuerwerk statt.  (von Gerhard Kessler)

 


Eintritt 1 Mark. Damit begann die Tradition des alljährlichen Lichterfestes im Wildunger Kurpark.  1906 überschritt die Gästezahl erstmals die Zehntausendermarke. Wildungen durfte sich nun eines der bedeutendsten europäischen Bäder nennen und erhielt das Prädikat „Bad“. Die einmal hier gewesenen Gäste kamen immer wieder und trugen den Ruf des Kurortes in alle Welt hinaus. 1907 erschienen im Badehotel die ersten Gäste mit einem Automobil und Chauffeur.

 

Einige Jahre später zählte das Hotel auch den Autobauer Adam Opel aus Rüsselsheim als Gast. Als bekannte Namen lassen sich u.a.  aufführen: die Industriellen Isaak Guggenheim und Fred Steinway aus New York, von dort reiste auch des öfteren Edward Rothschild an, aus St. Petersburg kamen ein Graf Tolstoi mit Gemahlin und aus Schwerin Seine Hoheit Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin. Auch der damals noch kleine Heinz Rühmann kurte mit Eltern und Geschwistern vor dem ersten Weltkrieg in Wildungen. Sie wohnten jedoch in der Villa Carola in der Hufelandstraße.  Im Badehotel  sind 1909 erstmals zu Gast “Se. Exzellenz Le Prince Orloff de St. Petersburg, Attaché  à l´Amabassade de Russie à Paris, mit Sekretär, Leibarzt, 3 Leibdienern und 2 Chauffeuren. Der  wohlhabende und umtriebige russische Adelige reiste mit mehreren Rolls Royce an. Nicht wenig Aufsehen sollen die 100 mitgeführten Koffer erregt haben. Orloff, später Fürst, suchte in den folgenden Jahren Wildungen bis zu zweimal im Jahr auf. Was mag ihn so oft hierher geführt haben?  Einmal begleitete ihn der hiesige Urologe Dr. Feiber auf einer seiner Weltreisen.
Von 1907 bis 1914 weilte jeweils von Mai bis Juni der schwer nierenkranke Herzog Georg II von Sachsen-Meiningen in Begleitung seiner Gemahlin Freifrau von Heldburg und Gefolge im Badehotel. Die Freifrau schrieb in einem Brief. „Hier ist das Kurleben für den Herzog auch recht anstrengend, dreimal täglich zum Brunnen, Bäder, Kniemassage – es ist ein bisschen viel für einen Einundachtzigjährigen.“ Ärztlich betreut wurde der Herzog von Dr. Marc.  Im Laufe der Jahre entwickelte sich zwischen beiden ein nahezu  freundschaftliches Verhältnis. 1908 begleitete der Arzt das herzogliche Paar auf einer Reise an die Riviera. Einige Tage vor der Abreise schrieb Georg II an Marc: „Damit es eventuell nicht fehle, werde ich nach Cap Martin einen gehörigen Vorrat Wildunger Wasser mitnehmen, denn dort ist solches  ganz unmöglich zu bekommen, wenn es nicht eingeschmuggelt ist, damit dem Vichyer  (frz. Kurort) Wasser kein Abtrag geschehe, darf das Wildunger Wasser nicht über die Grenze.“ Der herzogliche Sonderzug wurde nicht vom Zoll kontrolliert.
Während eines Spaziergangs im Kurpark begegnete dem Herzog eine Wildungerin mit ihrem dreijährigen Neffen.  Aus der Gehrocktasche  des Herzogs baumelte eine silberne Uhrenkette, die die Aufmerksamkeit des Kleinen erregte. „Guck mal Tante, der Onkel hat eine Tick-Tack“, rief der Junge und zeigte auf die Kette. Seine Hoheit bemerkte das, nahm sich Zeit und sprach mit dem Kleinen in ganz leutseliger Weise.

 

Während seines Kuraufenthaltes wurde der Herzog auch von dem Meininger Hofkapellmeister Max Reger besucht. Die Anregung, man möge in Wildungen Musikfestspiele wie in Meiningen durchführen, wurde leider nicht aufgenommen.

 

Georg II starb am 25. Juni 1914 während seines Kuraufenthaltes in Bad Wildungen. Die Putzmacherinnen konnten nur mit Mühe all den schwarzen Flor auftreiben, mit dem das Aufbahrungszimmer ausgekleidet wurde. Ein Trauerzug durch die Stadt brachte den Leichnam zum Bahnhof, von wo der Tote nach Meiningen überführt wurde.  Elf Personen vom Meininger Hof, unter ihnen der Nachfolger des Verstorbenen, Herzog Bernhard III und Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin von Sachsen-Weimar,  kamen zu diesem Anlass angereist.
Noch heute erinnert  an den berühmten Gast der „Herzog-Georg-Weg“ hinter dem Badehotel. Damals war es ein schmaler Fußweg und der Lieblingsweg des Herzogs, wenn er hier zur Kur weilte. Am 18. Mai 1913 schrieb er an seine Gemahlin: „Ich wollte dir schon immer erzählen von der Pracht der Heckenrosen hier in der Fortsetzung des Weges, der links von der Front des
Hotels den Hügel hinauf führt,  der Rain ist aufs Üppigste mit Brombeer- und Heckenrosensträuchern besetzt. Ich war entzückt, wie ich diese üppige Pracht sah. In Meiningen ist nirgend etwas  dergleichen.“  Heute ist dort ein Parkplatz angelegt.