Bad Nauheim

Zarin Alexandra

Informationen

Die eine verließ Bad Nauheim ohne Gefolge, die andere reiste mit dem halben Hofstaat an: Den Sommer des Jahres 1910 verbrachte die russische Zarin Alexandra mit ihrer Familie und rund 140 Personen im Gefolge in Hessen, um sich in Bad Nauheim einer Bade- und Trinkkur zu unterziehen. Grund waren ein Herzleiden und die Nervosität ihrer Majestät. Auch der Zar und die beiden ältesten Töchter beteiligten sich an der Trinkkur.

Quartier nahm die Zarenfamilie in der Friedberger Burg, schätzte aber in Bad Nauheim die angenehmen Erholungs- und Einkehrstätten wie Badehäuser, den Kurpark, Tennisplätze und die Natur am Johannisberg. Auch besuchten sie gerne den Gottesdienst in der 1908 zur Russischen Kirche umgewandelten Reinhardskirche. Es wird berichtet, dass der Zar nach einem solchen Besuch seinen Gehrock und Zylinder mit einem kurzen Jackett und Filzhut vertauschte, um sich seinen Bewachern zu entziehen und nur mit seinem Leibarzt und Adjutanten durch den Kurpark bis zum Johannisberg zu spazieren. Der Aufenthalt in Bad Nauheim war für Zarin Alexandra so erfolgreich, dass sie auf eine geplante Winterkur im Süden verzichten konnte.

Der österreichischen Kaiserin und der Zarin von Russland folgte 1912 die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria, was die Presse dazu veranlasste, Bad Nauheim schließlich den Beinamen „Drei-Kaiserinnen-Bad“ zu geben. In der Folge zog es zahlreiche Künstler, Musiker, Schauspieler, Maler, Schriftsteller und Staatsmänner in die Kurstadt. Unter ihnen Albert Einstein, Erich Kästner oder Johannes Heesters.