Bad Nauheim

Sisi

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1898 begrüßte Bad Nauheim einen ganz besonderen Gast, die Kaiserin von Österreich. Sisi litt an Herzschwäche und Depressionen, weshalb sie sechs Wochen zur Kur in Bad Nauheim weilte.

Mit den einfachen, jedoch von Herzen kommenden Worten „Guten Appetit, Majestät“ servierte der Gastronom Philipp König täglich ein ausgewähltes Menü für Sisi. Als erster Pächter des staatlichen Restaurants Johannisberg übernahm er die hohe Aufgabe, den kaiserlichen Gaumen angemessen zu verwöhnen. Sisi liebte den Johannisberg und den angrenzenden Winterstein, denn in wunderschöner Natur hatte sie sich immer am liebsten aufgehalten.

Obwohl die Kaiserin sich von der Aufdringlichkeit der Leute in Bad Nauheim belästigt fühlte, spazierte sie auch einige Male durch die Stadt. Dabei betrat sie eines Tages das Putz- und Modewarengeschäft von Frau Emilie Klinkerfuss in der Hauptstraße, um ein paar neue Handschuhe zu erstehen. Die erfahrene Modistin stellte mit einem kurzen Blick auf die kaiserlichen Hände fest: „6,5“ und reichte der Kundin ein Paar in der entsprechenden Größe mit den Worten: „Da mei Mädche, zieh die emal aah.“ Leicht pikiert ließ Sisi über ihre Hofdame frage, warum die Ladenbesitzerin sie duze und ob sie nicht wisse, wen sie vor sich habe. Die Aussage „Das ist die Kaiserin von Österreich!“ machte auf Frau Klinkerfuss aber keinen großen Eindruck, sie erwiderte lediglich: „Na unn, ich saach ja aach zu meinem Herrgott du, da werd ich ja wohl aach die Kaiserin von Österreich duuze könne!“

Fluchtartig verließ Sisi schließlich Bad Nauheim, ohne Gepäck und ohne Gefolge, dafür aber deutlich erholt und gestärkt, wie ihr Leibarzt bescheinigte. Zwei Wochen später wurde die Kaiserin in Genf ermordet.