Schlangenbad

Die Architektur Schlangenbads

Informationen

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ist in Schlangenbad eine Kontinuität in Nutzung, Maßstäblichkeit und Formensprache der Architektur festzustellen, die den Charakter des Ortsbildes wie auch eine harmonische Gesamterscheinung wahrte. Diese Kontinuität wurde erst in der Nachkriegszeit durchbrochen. Schlangenbad blieb jedoch über die Jahrhunderte durchgängig auf die Funktion als Kurort ausgerichtet.

An dem schon kurz nach 1700 ausgebauten Fahrweg nach Eltville, der heutigen Rheingauer Straße, wurden in den 30er Jahren des 19. Jh. fünf dreigeschossige Privathotels errichtet.

Eine weitere rege Bautätigkeit setzte nach 1870 ein. In der südlichen Rheingauer Straße, nahe den Kureinrichtungen, entstanden hauptsächlich Hotels und Pensionen, die außerdem kleine Läden enthielten. Die typischen Bäderbauten, die oft schon im 19. Jh. Um- und Ausbauten erfuhren, zeigen eine klassizistische, auch gründerzeitliche Prägung. Merkmale sind insbesondere reizvoll verzierte Balkons und Veranden aus Gusseisen vor meist relativ schlichten Fassaden.

Das staatliche Kurhaus wurde 1912 nach Plänen des Frankfurter Architekten E. Rückgauer errichtet. Es ersetzte die vorher an gleicher Stelle vorhandenen Kurbauten des 18. Jh. Es ist ein langgezogener vielgestaltiger Baukörper, der Stilmerkmale der barocken Vorgängerbauten aufnimmt. Damit bleibt der Komplex besonders in der Detailbildung einer historischen Formensprache verhaftet, während sich in der Großform auch Einflüsse der Jugendstilarchitektur niederschlagen.

Zeitgleich wurde anstelle des Nassauer Hofes die L-förmige Kolonnadenanlage vielleicht nach dem Vorbild der klassizistischen Wiesbadener Brunnenkolonnade von 1827 mit toskanischen Säulen errichtet während die geschlossene Rückwand durch toskanische Pilaster gegliedert ist.

Inmitten zurückhaltender spätklassizistischer und gründerzeitlicher Bauten fällt die originelle Villa Ingeborg durch Formenreichtum in phantasievoll historisierendem Jugendstil auf. Weithin sichtbar ist der fünfgeschossige Eckturm mit Fachwerkbelvedere, Sonnenuhr und Zeltdach.

Als letztes erhaltene Bauwerk in der Tradition der zunächst in Holz, später in Gusseisen errichteten Wandelgänge und Hallen, die ein besonderes Charakteristikum der Kurbäder im 18. und 19. Jh. darstellten, zeigt sich heute noch die Historische Cafehalle neben dem Rathaus.

Eine architektonische Besonderheit stellt das 1852 als Teehaus, anlässlich des Besuchs der Russischen Zarin Alexandra Feodorowna gebaute Schweizerhaus in prägnanter erhöhter Lage über dem Kurpark dar. Es besticht als Holzhaus im Schweizer Stil mit ausladenden Balkons und weit vorstehendem Dach.