Bad Arolsen

Historischer Rundgang durch Bad Arolsen

Informationen

Als Graf Friedrich Anton Ulrich zu Waldeck und Pyrmont 1717 die erbliche Reichsfürstenwürde verliehen bekommen hatte, war er bestrebt, schnell seine Pläne zum Bau eines damals modernen Schlosses und einer Stadt zu verwirklichen. Das Residenzschloss, der Marstall, die evangelische Stadtkirche und die Schlossstraße zeugen noch heute von der anfänglichen Planstadt, umgesetzt von den Baumeistern Julius Ludwig Rothweil (1676-1750) und Franz-Friedrich Rothweil (1709-1777).
Das Wahrzeichen der Stadt ist die ab 1710 nach Versailler Vorbild erbaute dreiflüglige Schlossanlage. Aus Geldnot zogen sich die Bauarbeiten rund 100 Jahre hin. Erst unter dem Fürsten Friedrich wurde das Schloss um 1810 vollendet. Dieser ließ den großen Festsaal im Obergeschoss nach Plänen des Landbaumeisters Theodor Escher ausgestalten. Zu besichtigen sind heute unter anderem der Steinerne Saal mit herrlichen Stuckarbeiten und Deckengemälden, das Pfälzische Zimmer, die Alhambra - Hochzeitsgabe der Prinzessin Helene von Nassau (Mutter der Königin Emma der Niederlande), der Weiße Saal mit Gemälden von Tischbein, Meytens und Aldegrever und das Kronprinzenzimmer. Die Parkanlage an der Schlossrückseite mit Schwanenteich wurde vermutlich um 1770 nach einem Plan des Kasseler Baumeisters Simon Louis du Ry gestaltet.
Die barocke Schlossstraße, die Verbindung zur evangelischen Stadtkirche, ist Teil eines der baugeschichtlich wichtigsten Ensembles in der Region. Der westliche Teil der symmetrisch geplanten barocken Stadtanlage mit Schlossstraße (früher Hauptstraße) mit Häusern für die fürstlichen Beamten und Hofleute und der querenden Kaulbachstraße (früher Kreuzstraße) mit Wohnhäusern für Kammerdiener und Hofhandwerker wurde realisiert. In der Schlossstraße wechseln sich Gebäude mit fünf und drei Fensterachsen genau genormt ab.
Parallel zur Schlossstraße durchzieht die Große Allee, die "grüne Lunge" der Stadt Bad Arolsen, fast den gesamten Stadtkern. Mit einer Länge von 1,6 Kilometer und circa 880 in sechsreihiger Ordnung gepflanzten Eichen ist die Große Allee die bekannteste Allee in Bad Arolsen. Sie wurde um 1670 von Fürst Georg Friedrich angelegt und verband das im Thieletal erbaute Lustschloss Charlottental mit der Meierei Hunighausen und dem Renaissanceschloss, dem sogenannten "Neuen Schloss". Das Lustschloss bewohnte der Stadtgründer Fürst Friedrich Anton Ulrich während der Bauzeit des Barockschlosses und ließ es dann abreißen.
Das "Neue Schloss" wurde als Witwensitz für Fürstin Christiane von 1764 bis 1778 erbaut. Bei einem Brand wurde das Schlossinnere 1971 vollständig zerstört. Der Wiederaufbau fand von 1971 bis 1974 mit einer Erweiterung nach Süden statt. Seit 1992 wird es als Tinnitus-Klinik genutzt und 1998 durch einen Neubau erweitert.
Im angrenzenden Baumpark befindet sich die Trink- und Wandelhalle mit der Heilquelle "Schlossbrunnen. Die Heilquelle" - ein fluoridhaltiges Calcium-Magnesium-Sulfat-Wasser - wurde 1972/73 in einer Tiefe von circa 400 Meter im Schlosspark erbohrt. Das Heilwasser wirkt regulierend auf die Magensäfte, regt die Darmfunktion an, beseitigt Störungen der Gallen- und Leberfunktion und ist bestens geeignet, bei Störungen im Verdauungsapparat das allgemeine Wohlbefinden wieder herzustellen.